Im Schamanismus existieren neben unserer materiellen
Welt noch andere Welten, die in Koexistenz mit
der unseren sind. Diese Welten bleiben uns verborgen. Schamanen können
die Grenze ihrer Wahrnehmung so erweitern (sieh: 'Schamanischer Bewusstseinszustand'),
daß sie diese Welten nicht nur bereisen, sondern auch mit den Wesen
dieser Welten Kontakt aufnehmen können. Daher sind sie im Stande Heilungen
durchzuführen und Kenntnisse zu erlangen.
Für einen Schamanen gibt es somit zwei Wirklichkeiten: die alltägliche
Wirklichkeit (Tonal) und die Nichtalltägliche Wirklichkeit (Nagual).
Die Welten der nichtalltäglichen Wirklichkeit erreicht er durch eine
Methode, die ich hier 'Schamanisches Reisen' (Journeying) nennen möchte.
Dieses 'Reisen' ist in vieler Ansicht der Kern
des globalen Schamanismus'. Der Schamane reist in die Nagualwelten, um dort
deren Bewohner zu treffen, die man als Spirithelfer, Lehrer, Vorfahren, Engel,
Götter, Göttinnen und Krafttiere bezeichnen kann. Diese Bewohner
sind Wesen voller Weisheit und Kraft. Sie sind gewillt mit uns zu arbeiten
und uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Schamanen teilen die Nagualwelten in drei Welten ein: die Unterwelt, die Mittelwelt und die Oberwelt.
Die Unterwelt wird als die Welt des instinktiven Wissens
bezeichnet. Hier finden wir unsere animistischen Kräfte, die uns mit
praktischem Rat und Hilfe zur Seite stehen. Die meisten Wesen dieser Welt
zeigen sich uns in Form von Tieren. Einige nehmen eine menschliche Form an
und einige die Form von mythischen Wesen, wie Drachen. Die Unterwelt zeigt
sich uns als eine natürliche Landschaft, die von dieser Welt sein könnte.
Während man sich in der Unterwelt aufhält hat alles was einem begegnet
eine symbolische, oder sogar wörtliche Bedeutung. Volle Aufmerksamkeit
ist daher von großer Bedeutung!
Die Mittelwelt ist sowohl die Welt in der wir leben,
als auch eine parallele nichtalltägliche Version unserer Welt. Hier ist
der Ort, wo übersinnlichen Wahrnehmungen, Telepathie, para-normale Begebenheiten
und so weiter vorkommen. Dies ist die Welt, in der sich Krankheiten manifestieren,
bevor sie in den Körper gehen. Hier ist es, wo der Schamane einen Weg
zur Heilung sucht, bevor sich eine Krankheit im Körper manifestiert.
Er tut dies, in dem er sich das Energiefeld einer Person ansieht, um zu sehen,
ob sich dort Eindringlinge (Intrusions) befinden, die er dann wenn möglich
von dort entfernt (Extraktion).
Übung: Eine Reise in die Unterwelt
Vorbereitung: Seien Sie sicher, daß Sie nicht
gestört werden. Kreieren Sie einen Schamanen Kreis.(Starten Sie Ihre
Trommel CD). Legen Sie sich ausgestreckt hin, damit die Energie frei fließen
kann. Schließen Sie Ihre Augen und entspannen Sie sich. Konzentrieren
Sie sich auf Ihre Atmung. Denken Sie an einen Ihnen bekannten Ort mit einem
Eingang in die Erde. Das kann eine Höhle sein, ein Loch am Fuße
eines Baumes, ein Brunnen, etc.
Egal wie klein der Eingang auch ist, Sie passen hindurch. Schrumpfen Sie auf
die Größe des Eingangs wenn er kleiner als Sie sein sollte. Alles
ist möglich. Fühlen Sie, wie Sie tiefer und tiefer durch den Eingang
in die Erde gleiten. Tiefer und tiefer. Sollte sich Ihnen eine Blockade in
den Weg stellen versuchen Sie daran vorbeizugehen, oder finden Sie eine kleine
Lücke durch die Sie durch die Blockade hindurch können. Sollte dies
nicht möglich sein, oder sollte sich Ihnen ein Insekt mit deutlich sichtbaren
Fangzähnen in den Weg stellen, drehen Sie um und kehren Sie zum Eingang
zurück. Versuchen Sie es ein anderes Mal noch einmal.
Ist der Weg jedoch frei, setzen Sie Ihre Reise fort. Tiefer und tiefer gleiten
Sie in unsere Mutter Erde bis Sie eine Höhle erreichen. Schauen Sie sich
um. Sie sind tief im Bauch von Mutter Erde. Fühlen Sie die feuchte, kühle
Luft. Obwohl es dunkel ist können Sie sehen. Sie wundern sich darüber
und bemerken einen Lichtschein auf der anderen Seite der Höhle. Sie gehen
darauf zu und erreichen das Ende der Höhle. Neugierig gehen Sie hinaus.
Schauen Sie sich um. Was sehen Sie? Was für eine Art Landschaft eröffnet
sich Ihnen? Ist es Tag oder Nacht? Wie ist das Wetter? Wie fühlt sich
dieser Ort für Sie an?
Betreten Sie diese Welt noch nicht. Machen Sie noch keinen Kontakt mit den
Wesen dieser Welt. Diese Reise ist nur für einen kurzen Besuch und zur
Beobachtung gedacht. Bleiben Sie in Stille stehen und nehmen Sie diese Welt
in sich auf. Merken Sie sich alle Details, da dies der Ort Ihrer Kraft ist
in der Unterwelt.
Bevor Sie die Welt weiter erforschen benötigen Sie Krafttiere, die Ihnen
den Weg weisen und Sie beschützen können. Denn auch die Unterwelt
ist nicht ohne Gefahren. Doch diese Aufgabe ist für eine spätere
Reise gedacht (sieh: Krafttiere).
Wenn Sie genug gesehen haben, drehen Sie sich um und gehen Sie zurück
in die Höhle. Fühlen Sie einen Draht, der Sie sanft in Richtung
'zu Hause' zieht. (Falls Sie eine Trommel CD spielen, hören Sie wie die
Trommel Sie nach Hause ruft) Sie verlassen die Höhle durch Ihren schmalen
Gang und merken, wie Sie höher und höher gleiten. Lassen Sie es
zu, daß der Draht sie sanft zurückzieht bis an den Eingang durch
den Sie in die Erde getreten sind.
Kommen Sie nun langsam wieder zurück in unsere alltägliche Welt.
Bemerken Sie Ihre Umgebung. Fühlen Sie das Material des Möbelstückes
oder des Bodens auf dem Sie liegen. Hören Sie die Geräusche in Ihrer
Umgebung. Strecken Sie Ihre Arme und Beine und bewegen Sie Ihren Körper.
Zählen Sie langsam bis drei und öffnen Sie Ihre Augen. Sie sind
jetzt wieder im Hier und Jetzt. Bleiben Sie noch eine Weile liegen und erinnern
Sie sich an die Dinge, die Sie in der Unterwelt gesehen und gefühlt haben.
Nehmen Sie sich jetzt einige Minuten Zeit und schreiben Sie das Erlebte auf.
(Falls Sie eine Trommel CD benützen, benützen
Sie den 15 Minuten-Trakt, da Ihre erste Reise nicht länger dauern sollte.)
Die Mittelwelt ist die schwierigste der drei Welten um darin zu navigieren.
Es benötigt Erfahrung und Wissen, um dort seinen Weg sicher zu finden.
Man kann dort sehr leicht etwas gefährliches auffangen. Vorsicht ist
angesagt!
Die Oberwelt ist die Welt der Geisterhelfer (spirit guides) und der kosmischen Wesen (Engel, Götter, etc.), die uns ebenfalls in menschlicher Form begegnen. Die Hilfe dieser Wesen ist eine eher generelle, philosophische Hilfe. Um diese Welt zu erreichen muß man durch eine Art trübe Membran. Das Licht ist eher transluszent und oftmals in Kombination mit einem ätherischen Gefühl.
Keine dieser Welten ist den Anderen überlegen.
Sie sind alle gleichgestellt und ergänzen sich. Eine kann ohne die Andere
nicht existieren.
